Interessenkonfliktfreie Fortbildungen für Ärzt*innen

Führender kommerzieller CME-Anbieter Omniamed gibt auf

Ärzteinitiative MEZIS sieht sich bestätigt und fordert größeres CME-Fortbildungsangebot frei von Interessenkonflikten

Nach der Omniawatch-Analyse im Sommer 2018 hat nun Omniamed als ein führender kommerzieller CME-Anbieter für ärztliche Fortbildungen seine Geschäftsaktivitäten mit sofortiger Wirkung eingestellt. Mit der Omniawatch-Recherche (www.mezis.de/omniawatch) hatte MEZIS aufgedeckt, wie die pharmazeutische Industrie in deutschlandweiten Ärzte-Fortbildungen, zertifiziert durch die Landesärztekammern, mit bezahlten Referent*innen unverhohlen für ihre Produkte warb. Als erste Landesärztekammer zog die Ärztekammer Baden-Württemberg im Herbst 2018 die Konsequenzen und verweigerte erstmalig die für Ärzt*innen wichtigen Fortbildungspunkte, sprich die CME-Zertifizierung. Obwohl Omniamed noch Widerspruch gegen die Aberkennung einlegte, spricht die überraschende Geschäftsaufgabe für sich.

Die Firma „Esanum“, nach eigenen Angaben „Europas führendes Ärztenetzwerk“, tritt nach der Aufgabe Omniameds in dessen Fußstapfen:

Erstmalig 2019 will der kommerzielle CME-Anbieter mit dem „Hausärztetag“ nahezu identische CME-Fortbildungsveranstaltungen bundesweit anbieten. Die CME-Arbeitsgruppe von MEZIS hat deshalb analog zu Omniawatch das Veranstaltungskonzept von Esanum analysiert und kommt dabei zu folgenden, nicht überraschenden Ergebnissen:

  • Sponsoringsummen um 100.000 Euro pro Veranstaltung ermöglichen es auch Esanum, die Veranstaltungen kostenfrei oder zu so günstigen Preisen anzubieten, dass andere CME-Fortbildungsanbieter, die ohne die Unterstützung der Pharmaindustrie fortbilden, unter dieser Marktverzerrung erheblich leiden.
  • Das Sponsoringkonzept von Omniamed und Esanum ist auch vergleichbar im Hinblick auf die sponsernden pharmazeutischen Unternehmen, deren Produktpalette und den Leistungsumfang. Die Unterteilung in Sponsorenkategorien bzw. verschiedene Sponsoringsummen erscheint wie bei Omniamed hinsichtlich der Leistungsunterschiede wenig plausibel.
  • Von den insgesamt 14 Vorträgen bei der ersten analysierten Esanum-Veranstaltung im März 2019 in Berlin werden acht Vorträge von ehemaligen Omniamed-Referent*innen mit weitgehend identischen Inhalten gehalten.
  • Fast alle Referent*innen haben relevante, teils massive Interessenkonflikte und werden von den sponsernden Firmen bezahlt, zu deren Produkte sie Vorträge halten. Die komplette Analyse finden Sie unter www.mezis.de/omniawatch.

Das Fazit der Ärztlichen Geschäftsführerin Dr. med. Christiane Fischer: „Die Esanum-Akademie kopiert die Omniamed-Veranstaltungen konzeptionell und hat bereits in der Auftaktveranstaltung mehr als die Hälfte der Omniamed-Referenten mit meist identischen Vorträgen direkt übernommen.“ Dr. med. Niklas Schurig, MEZIS Vorstandsmitglied, fährt fort: „Die Ärztekammern sollten in allen Bundesländern, in denen Esanum auftreten will, wie die Baden-Württemberger entscheiden und auch Esanum die Rote Karte zeigen, um endlich die interessenkonfliktfreie ärztliche Fortbildung zu stärken.“

Zeitgleich zur Esanum-Analyse startet mit „cme-sponsorfrei.de“ das von MEZIS initiierte „Aktionsbündnis ‚Fortbildung 2020‘ – Bündnis für unabhängige Fortbildung“ für Fortbildungen frei von Pharmaeinflüssen, dem sich neben der Deutschen Gesellschaft für Allgemeinmedizin (DEGAM) und der Arzneimittelkommission der deutschen Ärzteschaft (AkdÄ) auch kleine Anbieter interessenkonfliktfreier CME-Fortbildungen wie HD Med und Libermed angeschlossen haben.

Terminankündigung
Am 6. April 2019 findet am Universitätsklinikum Hamburg-Eppendorf die MEZIS-Fachtagung „Über-, Unter- und Fehlversorgung“ statt. Das Programm ist abrufbar unter www.mezis.de

Ansprechpersonen:
Dr. med. Christiane Fischer, Ärztliche Geschäftsführerin MEZIS, E-Mail: fischer@mezis.de, Tel. 01575-5575135
Dr. med. Niklas Schurig, Vorstand MEZIS, E-Mail: schurig@mezis.de